Stand up for Love: Eine Aktion zur Rettung der Hochzeitsbranche

Stand up for Love: Eine Aktion zur Rettung der Hochzeitsbranche

Die Corona-Pandemie hat viele Hochzeitsdienstleister in eine Existenz-Krise gestürzt. Die Initiative "Stand up for Love" macht darauf aufmerksam und fordert Unterstützung!

Stand up for Love: Eine Aktion zur Rettung der Hochzeitsbranche
Fotos: Frau Siemers
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Die Initiative “Stand up for Love” wurde von beyond tales und Ankatrin Andresen gegründet, um auf die prekäre Situation von Hochzeitsdienstleistern in der Corona-Krise aufmerksam zu machen. Schnell entwickelte sie eine solche Dynamik, dass sich ihr in ganz Deutschland Hunderte von Dienstleistern anschlossen, die schließlich bundesweit gemeinsam “für die Liebe aufstanden”. Im Interview erzählen uns die Initiatorinnen wie es zur Gründung kam, welche Erfolge sie bisher verbuchen konnten und was sie als nächstes planen.

speichernStand up for Love
Foto: Frau Siemers

Warum habt ihr die Initiative „Stand up for Love“ gegründet?

Als Hochzeitsplaner waren wir natürlich direkt zu Beginn der Pandemie die erste Anlaufstelle für unsere Hochzeitspaare, so dass wir uns recht früh mit den daraus resultierenden Fragen und auch Konsequenzen konfrontiert sahen und – gemäß unserem Arbeitsauftrag – immer bemüht waren, bestmögliche und zielorientierte Lösungen zu finden. Dass dabei die Gesundheit und Sicherheit im Vordergrund stand und dies auch nach wie vor tut, ist selbstverständlich. Daher ging und geht es uns auch an keiner Stelle darum, die getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zu kritisieren.

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Foto: Frau Siemers

Allerdings mussten wir feststellen, dass die Politik Hochzeiten nicht wirklich auf dem Zettel hatte und dies auch bis heute, zumindest in Hamburg, nicht nachholen konnte. Weder den Umstand, dass es weniger um die rechtliche Möglichkeit einer standesamtlichen Trauung an sich, sondern vielmehr um die großen Feiern geht. Noch die daraus resultierenden wirtschaftlichen Schäden für eine bis dato sehr gesunden Branche.

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Foto: Frau Siemers

Stattdessen wurde aufgrund der großen Verunsicherung seitens der Paare und der fehlenden Kommunikation seitens der Politik, Hochzeit für Hochzeit abgesagt oder verschoben. Schließlich hatten wir das Gefühl, etwas tun zu müssen, aktiv und vor allem sichtbar zu werden. Daraufhin verfassten wir innerhalb weniger Stunden ein Schreiben an den Hamburger Senat, entwarfen innerhalb eines Tages das Logo zu unserer Initiative, kreierten den Hashtag #standupforlove und aktivierten unser Hamburger Hochzeitsdienstleister-Netzwerk. Zwei Tage und 84 unterzeichnende Hamburger Unternehmen später, sendeten wir unser Schreiben an über 50 Mitglieder des Senats.

speichernStand up for Love zur Rettung der Hochzeitzsbranche
Foto: Frau Siemers

Welche Ziele habt ihr vor Augen?

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Das Ziel, dass wir mit unserer Initiative übergeordnet erreichen möchten, ist ein Zeichen für uns Hochzeitsdienstleister, unsere Berufe, Existenzen und natürlich auch für unsere Hochzeitspaare zu setzen. Damit wir endlich gesehen, gehört und ernstgenommen werden. Das betrifft zum einen die Entwicklung bzw. Vorstellung der Konzepte, die aufzeigen mit welchen Hygienemaßnahmen Hochzeiten umzusetzen sind. Nicht zuletzt um die Sorge aufzubrechen, dass private Feiern zwangsläufig zu Super-Spreader-Events werden müssen.

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Foto: Frau Siemers

Zum anderen geht es aber auch ganz klar um das Thema finanzielle Unterstützung: Einer wie gesagt bis dato gesunden Branche sind, obendrein aus der Winterpause kommend, von heute auf morgen fast die gesamten Einnahmen für ein ganzes Jahr weggebrochen – unverschuldet und ohne Aussicht, diese rein- oder nachzuholen. Denn fast alle Hochzeiten wurden mittlerweile abgesagt oder auf das nächste Jahr verschoben. Demnach fehlt uns Dienstleistern eine ganze Saison und viele von uns können sich eben nicht zweiteilen, also in 2021 nicht zwei Hochzeiten an einem Tag annehmen, um den Verlust aus 2020 auszugleichen.

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Foto: Frau Siemers

Ihr habt eine tolle Aktion in verschiedenen Städten auf die Beine gestellt – erzählt uns davon!

Unsere erste Aktion fand am 26. Mai zunächst nur in Hamburg statt, exakt zwei Wochen nachdem wir die Initiative überhaupt erst ins Leben gerufen hatten. Nachdem wir ein paar Tage vergeblich auf eine Reaktion auf unser Schreiben warteten, wussten wir, dass es Zeit für eine Aktion war: Wir wollten ein starkes, emotionales, aber auch visuell ansprechendes und vor allem professionell umgesetztes Bild kreieren. Wir haben gemeinsam mit vielen Unterstützern aus unserem Hamburger Dienstleister-Netzwerk eine 40 Meter lange, festlich eingedeckte Tafel auf dem Hamburger Rathausmarkt inszeniert und mit großen Plakaten, auf denen die vielen verschiedenen Hochzeitsdienstleistungskategorien aufgeführt waren, den Stillstand einer ganzen Branche aufgezeigt.

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Foto: Frau Siemers
speichernStand up for Love Hochzeitsmusiker
Foto: Frau Siemers
speichernStand up for Love Hochzeitsdienstleister
Foto: Frau Siemers

Ein paar Tage später hat uns dann der sich eigentlich noch in der Gründungsphase befindliche Bundesverband der Hochzeitsdienstleister kontaktiert und gefragt, ob wir in Kooperation mit ihnen unser Konzept und unsere Aktion bundesweit ausrollen würden. Gesagt getan. Am 09. Juni fanden dann nahezu zeitgleich in 11 deutschen Städten – Hamburg, Berlin, Düsseldorf, München, Freiburg, Stuttgart, Mainz, Mannheim, Schwerin, Hannover, Kiel – die Aktionen nach unserem Vorbild vor den jeweils relevanten politischen Einrichtungen wie Rathäusern oder den Landtagen statt.

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Foto: Frau Siemers
speichernStand up for Love Dienstleister
Foto: Frau Siemers

Wie war die Resonanz?

Die Resonanz, vor allem innerhalb der Branche, war bereits nach unserer ersten Aktion im Mai überwältigend. Wir haben von allen Seiten Danksagungen, aber auch jede Menge Unterstützungsbekundungen erhalten. Flankiert wurde dies von einem, zunächst natürlich regionalen, großen medialen Interesse – wir haben sowohl bei der Aktion selbst als auch in den Tagen danach diverse Interviews für TV, Radio und Print geben dürfen und so die Möglichkeit erhalten, unsere Themen zu platzieren.

speichernStand up for Love mediale Aufmerksamkeit
Foto: Frau Siemers

Besonders hervorzuheben ist dabei der Umstand, dass die mediale Berichterstattung bis zu diesem Zeitpunkt vornehmlich aus Sicht der Hochzeitspaare stattgefunden hatte, die Auswirkungen für die vielen Dienstleister und damit auf einen ganzen Wirtschaftsbereich wurde jedoch selten bis nie thematisiert. Diesen Zustand haben dann auch überregional die bundesweiten Aktionen aufgebrochen und es folgten eine Flut an Presseberichten und branchenintern ein noch größeres Aufkommen an dankbarem Feedback und auch indirekter Teilnahme an unserer Initiative, letzteres hält bis heute an.

speichernLove from a distance
Foto: Frau Siemers

Gibt es schon konkrete Verbesserungen?

Ja, und das freut uns wirklich wahnsinnig. In einigen Städten, z.B. in Düsseldorf, wurden bereits während der Aktion vor dem Landtag erste Gespräche geführt, die dann in Folgeterminen und einer tatsächlichen Einbeziehung in die geplanten Lockerungen für NRW mündeten. Nur in Hamburg sind wir leider immer noch weit von diesem Erfolg entfernt. Trotz des vierwöchigen Vorsprungs inklusive mehrerer Schreiben an die Politik und zwei Aktionen hat sich der Hamburger Senat mit uns nach wie vor nicht in Verbindung gesetzt. Und auch auf realistische Lockerungen warten wir bisher vergeblich. So bildet Hamburg im Bundeslandvergleich das traurige Schlusslicht.

speichernStand up for Love Hamburg
Foto: Frau Siemers

Wie sieht euer weiteres Vorgehen aus?

In den letzten Tagen mussten wir in Sachen politischem Engagement tatsächlich erst einmal ganz tief durchatmen. Wir haben über sechs Wochen fast ausschließlich für unsere Initiative STAND UP FOR LOVE gearbeitet sowie jede Menge Kraft und Energie investiert und dabei unser eigenes Geschäft und damit natürlich auch die Versuche der Kompensation von Verlusten in diesem Geschäftsjahr komplett vernachlässigt.

speichernStand up for Love Hochzeit und Corona
Foto: Frau Siemers

Daher haben wir erstmal wieder eine Weile das gemacht, was wir am besten können – geplant, organisiert, Termine mit Hochzeitspaaren gehabt, Netzwerkpflege betrieben. Und eine kleine Hochzeit konnten wir dank der in Schleswig-Holstein geltenden Lockerungen in der Zwischenzeit sogar auch umsetzen. Das hat uns neue Motivation und Auftrieb verschafft. Denn klar, wir bleiben am Ball und werden uns auch weiterhin für unsere Berufe, unsere Branche und unsere vielen tollen Kollegen einsetzen und dafür kämpfen, dass wir gesehen, gehört und ernst genommen werden!