Hochzeiten mit rührenden, warmen Worten begleiten – Ein Profi gibt Einblicke in den Beruf der Trausprecherin

Nach einer Hochzeit erinnern sich Paare besonders gerne an Brautkleid, Location, Musik – und die rührenden Worte, die vor dem Traualtar von Familie, Freunden und der Traurednerin/dem Trauredner ausgesprochen werden. Zu einer Hochzeit gehört es dazu, über die Geschichte des Brautpaares, Emotionen sowie die kleinen und großen Anekdoten zu sprechen, die seine Beziehung zu etwas ganz Besonderem machen. Mit Trausprecherin Conni Köpp von verliebtereden haben wir über ihren Beruf gesprochen und erfahren, was es für sie bedeutet, den wichtigsten Tag im Leben eines Paares mit warmen Worten zu begleiten:

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Foto: Anke Raloff Fotografie

Frau Köpp, was macht in Ihren Augen eine gute Rede, eine gute Rednerin aus?

Conni Köpp: Die Rede ist das Ergebnis der Arbeit mit dem Brautpaar. Sie gibt die Verbundenheit, Nähe, Vertrautheit, das Vertrauen und natürlich die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Liebenden wider. Eine gute Rede beseelt und bewegt. Sie rührt zu Tränen der Freude, lässt schmunzeln und manchmal auch lauthals lachen. Für mich als Buchautorin ist es, als schreibe ich auch meinen Paaren ein kleines Buch, nur mit etwas weniger Seiten. Bei einer guten Rede geht es ausschließlich um das Paar, erweitert um Anekdoten der Freunde; es ist eine wundervolle und gefühlvolle Reise zurück zu den Anfängen und der Entwicklung einer großen Liebe. Eine gute Rednerin, ein guter Redner sollte eine angenehme Stimme, eine flüssige Sprache, eine kreative Wortwahl, einen gewissen Witz, eine korrekte und individuelle Ausdrucksweise sowie eine lebendige und emotionale Vortragsweise haben. Ein guter Redner strahlt Sicherheit aus und ist natürlich sehr vertraut mit dem, was er mühe- und liebevoll verfasst hat. Man spürt einem guten Redner an, mit wieviel Herzblut er seiner Aufgabe nachgekommen ist.

Bernd Hempen Foto- & Videografie
Foto: Bernd Hempen Foto- & Videografie

Worauf kommt es Ihnen als Rednerin besonders an?

Conni Köpp: Mir ist ein naher und freundschaftlicher Umgang mit meinen Paaren sehr wichtig. Auch können sie mich nicht genug kontaktieren mir Fragen stellen und an ihrer Aufregung teilhaben lassen. Ich genieße die Zeit mit meinen Paaren sehr! Ich bin ihre Rednerin, ich bin für sie da – das ist Teil meiner Arbeit und sie bezahlen mich neben dem Honorar mit ihrem Vertrauen – und das ist unbezahlbar. Mir ist die Offenheit meiner Paare wichtig, für ein gutes Ergebnis und ich will nicht nur von rosaroten Zeiten wissen. Ich möchte verstehen, wofür ihr zweifelsfreies JA zueinander steht, ob und wie sie auch schwere Zeiten gemeinsam meisterten, an denen sie wachsen durften. Es ist wichtig, mit den mir anvertrauten Inhalten liebevoll und verschwiegen umzugehen. Da ich schon viele Jahre eng mit Menschen zusammenarbeite, fällt es mir auch viel leichter, zu hinterfragen und in die Tiefe zu gehen. Weiter war mir immer wichtig, mein eigenes Konzept für mich gefunden zu haben. Ich stand nie im Vergleich zu anderen, ging von Anfang an frei an meinen Traumberuf “Traurednerin” heran und stellte schnell fest, dass ich Einiges “unkonventioneller” umsetze. So arbeite ich u.a. mit meinen Paaren grundsätzlich und ausschließlich getrennt voneinander. Das ist mein Konzept, und es ist wundervoll, weil meine Reden – auch wenn sie von einem vertrauten Menschen zuvor abgesegnet werden – eine wahre Überraschung für beide sind. Frauen und Männer – zwei Geschlechter – zwei Blickwinkel, einfach spannend!

Wie erklären Sie sich die oft erheblichen Preisspannen bei Rednern?

Conni Köpp: Redner sollten immer durch Qualität bestehen! So verlockend es zunächst für Paare sein mag, nach einem Vergleich von Rednern bei einem von ihnen vielleicht gespart zu haben – erst später könnte sich herausstellen, ob man auch an Qualität gespart hat, wenn man Vergleiche auf Hochzeiten hat, auf denen man selbst eine Freie Rede als Gast hört. Der Markt ist derzeit ein Magnet für “Trittbrettfahrer”, doch ein Profis sollte sich dadurch nicht verunsichern lassen.  Weiter unterscheiden sich die Honorare natürlich nach Bundesländer, oder ob man in einer Großstadt oder auf dem Lande tätig ist. Generell ist dieser “Beruf” ziemlich verlockend:  schreiben, vortragen, fertig. Auf Kanälen wie youtube kann man ein Potpourri an Rednern sehen, hier entdeckt man wahrlich große Unterschiede.  Nach jedem Erstgespräch mit meinen Paaren rate ich, gerne noch ein paar Videos im Netz zu sichten –  obwohl es manchmal gar nicht soweit kommt, wenn man sich einfach einig ist und das Paar keinen Vergleich mehr braucht. Ich selbst biete, was mein Honorar angeht, meinen Paaren einen Rahmen, den ich vorgebe, in dem sie sich bewegen dürfen. Mir ist auch nicht wichtig, wann sie mir das Honorar zahlen, ob heute oder morgen, ich hatte nicht ein einziges Paar in den Jahren, das bis zum Tag der Zeremonie nicht gezahlt hat. Man mag mich naiv nennen, ich nenne es ungebrochenen Optimismus und Glauben. Meinen Paaren erkläre ich von Anfang an, dass wir Vertrauen ein neues Gesicht geben und dass ich so arbeite und handle, wie ich mir die Welt wünsche.

Bernd Hempen Foto- & Videografie
Foto: Bernd Hempen Foto- & Videografie

Kann man diese Tätigkeit erlernen?

Conni Köpp: Es werden mittlerweile Workshops und Seminare angeboten, um Interssierten einen guten Einblick zu geben. Ich kann mir kein Urteil hierzu erlauben, doch wünsche ich mir, dass keine falschen Hoffnungen geweckt werden. Was sind die Teilnehmer nach dem Workshop – automatisch Redner? Wer schult sie im Ausdruck, im Auftreten und im Marketing? Reicht der Wunsch alleine schon aus, sich so einer wichtigen Aufgabe zu stellen? Ich kenne großartige Kollegen, die mit mir die Ansicht teilen, dass es einer gewissen Grundausstattung bedarf. Natürlich begann auch jeder Profi mal an einem ersten Tag und er konnte mit jedem Auftritt reifen, denn keiner gleicht dem anderen. Ich habe zum Beispiel eine Freundin, die mit großer Leidenschaft und Freude Reden vorträgt, so auch inzwischen einige meiner Reden. Dieses Match, das sich einfach so ergeben hat, kam auch so gut bei den Paaren und Gästen an, dass ich nun entschlossen habe, diese Option ebenfalls anzubieten: meine Paare und ich verbringen die Zeit bis zum großen Tag miteinander, bereiten in unseren Gesprächen die Rede vor, die dann meine Freundin bei der Zeremonie vorträgt.

Was sollte ein guter Redner mitbringen?

Conni Köpp: Herzblut! Leidenschaft! Die Freude am Schreiben, Sprechen und Vortragen. Die Gewissheit, dass seine Rede für zwei Menschenund deren Gäste an einem ganz großen Tag, das Highlight der Zeremonie ist. Dass er eine große, aber dankbare Verantwortung trägt. Dass er niemals in Vergessenheit gerät und zeitlebens Gesprächsstoff bietet – und sich die Paare hoffentlich an jedem Tag mit Schmetterlingen im Bauch and seine Rede erinnern. Er sollte der deutschen Sprache uneingeschränkt mächtig sein, wortgewandt sein und viel Ruhe, Empathie und Gelassenheit ausstrahlen. Er verstärkt die Vorfreude auf die freie Zeremonie und hat ein offenes Ohr und beruhigende Worte, sollte ihnen der Trubel zu Kopf steigen. Redner arbeiten auf ein einziges Ziel hin: ein glückliches und zufriedenes Paar! Ein guter Redner schafft es auch zu improvisieren, wenn das Wetter plötzlich umschwingt oder etwas Unvorhergesehenes geschieht. Zuguterletzt darf einem guten Redner niemals ein falscher Name herausrutschen, leider schon alles vorgekommen! Ich habe eine sehr lustige Anekdote: ein Bräutigam hatte sich bei seinem eigenen Geburtsdatum vertippt und währen meiner Rede ging ein Raunen durch die erste Reihe – da ist dann einfach etwas Humor gefragt!  Natürlich konnte ich beweisen, dass ich unschuldig war. Leider war selbst beim Absegenen der Rede der Fauxpas nicht gesehen worden. Jeder nahm es mit Humor, am meisten der Bräutigam, der gleich nach der Trauung erst einmal einen Knuff in die Seite bekam! Wir lachen noch heute darüber.

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Foto: Bernd Hempen Foto- & Videografie

Wie sieht die Zukunft für den Beruf des Trauredners aus?

Conni Köpp: Die Kirche erfährt gerade eine kleine Talfahrt. Die Menschen wollen freier in ihren Entscheidungen sein, sich von verstaubten Konventionen lossagen. Da den meisten Paaren aber das Standesamt zu wenig ist, wünschen sie sich eine Feier mit Botschaft – und daher ist die Freie Zeremonie das Higlight auf einer Feier. Ich denke, wir steuern einen großen Boom an, was freie Reden angeht, ob nun freier Theologe oder konfessionsloser Redner. Das nährt wiederum jene, die auf den Trauredner-Zug aufspringen wollen, weil der Bedarf ansteigen wird. Wichtig bleibt sich aus Leidenschaft für den Beruf zu entscheiden, sonst wird man vielleicht nicht lange bestehen können. Nicht jedes Paar wird sich vom Preis beeinflussen lassen, es zählt so viel mehr an jenem großen Tag, der zweifelsfrei einmalig ist! Meine bisherigen Paare sind übrigens auch glaubend, nur gehören sie keiner Religionsgemeinschaft an. Auch ich habe meinen ganz persönlichen Glauben, meine eigene Spiritualität. Und erst recht bin ich davon überzeugt, dass jeder Redner seine eigenen Paare anzieht. Man findet sich – und das ist gut und wichtig so, es muss passen, man sollte von Anfang an zweifelsfrei JA! zueinander sagen.

Wie werden Paare auf Sie aufmerksam?

Conni Köpp: Ich bin ein kleiner Netzwerkjunkee. An dieser Stelle gilt mein Dank den Agenturen, Kollegen, Freunden, die mich immer unterstützten. Meine Devise war schon immer: Umarmung statt Ellenbogen – besonders unter geschätzten Kollegen! Weiter füttere ich natürlich meine Homepage mit aktuellem und voher freigegebenem Bildmaterial und Texten, poste gern auf Instagram. Facebook, Linkedin, Xing und ich habe noch gute Pressekontakte von meinem vorherigen Job als “Wohnkosmetikerin”. Und doch liegt noch ein Stückchen Weg und Arbeit vor mir, bis man im Netz meinen Namen nicht mehr nur mit meinen Büchern und der Einrichtungsberatung verbindet, sondern eben auch  mit „verliebtereden“. Doch freue ich mich sehr darauf zu wachsen, in diesem wundervollsten Jobs der Welt!

verliebtereden
Foto: Anke Raloff Fotografie

Es handelt sich nicht um einen geschützten Beruf – wird es Trittbrettfahrern leicht gemacht?

Conni Köpp: Natürlich – zunächst! Ob sie sich einen Platz auf dem Markt schaffen, kann ich nicht sagen. Es wirkt so leicht nach Außen hin, und man bekommt ja so viel Input von Rednern in der virtuellen Welt geliefert. Schreiben, Vorlesen, Ritual, Zahltag, fertig. Doch ob 700€ oder 1.600€ für eine freie Zeremonie, wer gute Ergebnisse liefern will, für den ist diese Tätigkeit an manchen Tagen Fulltime. Auch wenn jeder Redner sein eigenes Konzept entwickelt hat, Schreibblockaden wären sein Untergang. Trittbrettfahrer – was ist ihre Motivation? Das Honorar? Oder doch die eigene Berufung? Ihre Antwort gibt Ausschluss darüber, wie lange sie sich am Ende behaupten können.

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Foto: Bernd Hempen Foto- & Videografie

Können Sie sagen, was Sie von anderen unterscheidet?

Conni Köpp: Zunächst unterscheidet sich jeder vom anderen, weil wir alle eine andere Persönlichkeit haben. Meine Paare bekommen gerne alles, was sie sich wünschen, doch spreche ich gerne Empfehlungen aus, beruhend auf jahrelanger Erfahrung. Mir ist während der Rede u.a. der Augenkontakt mit meinen Paaren das Wichtigste, damit wir während der Rede immer verbunden bleiben. Am Trautisch sehe ich auch gerne die Trauzeugen, haben sie doch eine besondere Stellung für das Paar. Ich sitze auch lieber, da ich selbst sehr groß bin und nicht möchte, dass meine Paare sich den Hals nach mir verrenken. Ich bin es, die eher zu ihnen aufschauen möchte. Das Mikrofon ist mir sehr wichtig, damit auch die letzte Reide alles gut versteht. Ich lege meinen Paaren auch ans Herz, die Zeremonie zu filmen, weil bewegte Bilder ihnen am Ende die Zeremonie noch einmal näher bringen und sie auch den Gästen, die während der Rede keinen Augenkontakt mit ihnen hatten, diese rund 45 Minuten noch einmal sehen könnten. Nach der Rede gibt es dann ein kleines Ritual und dann kommt entweder ein erneuter Antrag, oder direkt die Eheversprechen bzw. die große Frage. Dann folgt schon der Kuss. Manchmal, wenn einem besonders nahestehende Menschen auf der Feier fehlen, lassen wir symbolhaft etwas in die Lüfte steigen.

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Und ich mache keine Verträge. Das ist sehr ungewohnt, weil es ja üblich ist, doch wogegen könnte ich mich absichern? Meine Paare haben mein Wort, für mich haben Herzgeschäfte eine tiefere Bedeutung und ich wurde nie enttäuscht. Jeder besiegelt sein „Geschäft“ auf seine Art, wir sollten einander nicht werten. Liebe, Ehrlichkeit und Wertschätzung – alles andere ist nicht meins. Naiv und gutgläubig? Nicht in meinen Augen.

Zum Abschluß bekommen meine Paare immer zwei sehr schönes Geschenke – eins von mir im Anschluss und eins, das Teil der Zeremonie gewesen ist. Ich bin kreativ im Schreiben, dafür etwas weniger bei Ritualen und der Umsetzung von einem Motto oder Thema, da bewundere ich manchen Kollegen. Durch mein Konzept, komplett getrennt voneinander mit meinen Paaren zu arbeiten, werden meine Liebenden zum ersten Mal Geheimnisse voreinander haben, das mag anfangs zur echten Herausforderung werden, doch am Ende haben beide zusätzlich wundervolle Aufzeichnungen, die sich endlich gegenseitig zeigen können. Und dass selbst Männer, die anfangs stöhnten, weil sie sich Zeit nehmen müssen, um zu reflektieren und alles aufzuschreiben, so glücklich waren, die Erinnerungen aufleben gelassen und schriftlich fest gehalten zu haben, macht mich immer ganz stolz.

Wir bedanken uns sehr bei Conni Köpp von verliebtereden für die Einblicke in ihre Arbeit als Trausprecherin – schauen Sie sich auch direkt unsere Tipps für eine gelungene Hochzeitsrede von Freunden und Familie an!

Kontaktieren Sie die Dienstleister, die in diesem Artikel erwähnt wurden!

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