Christopher Street Day 2015: Und wie sieht's mit der Hochzeit schwuler und lesbischer Paare aus?

Alljährlich im Juni findet in Berlin der Christopher Street Day statt, wo rund eine Millionen Menschen erwartet werden und Schwule, Lesben, Transgender, Bi- und Intersexuelle sowie Heterosexuelle im Rahmen des riesigen Straßenfestes für Gleichberechtigung und gegen die Diskriminierung in der Gesellschaft demonstrieren. Wir haben uns gefragt, wie es heute mit der Gleichstellung der Lebenspartnerschaft und Ehe aussieht und haben bei dem Hochzeitsplaner Marco Fuß (Ihr Hochzeitsplaner Berlin) gesprochen, der schon seit mehreren Jahren exklusive Hochzeiten und Gay Weddings betreut: 

Ihr Hochzeitsplaner BerlinMehr erfahren über “Ihr Hochzeitsplaner Berlin”
Foto: Ihr Hochzeitsplaner Berlin

1. Wie bist du dazu gekommen, deine erste Gay Wedding zu organisieren?

Meine erste Gay Wedding war gleichzeitig meine eigene. Mit einem Freundeskreis, der zu 70% aus schwulen Jungs besteht und einem Familienkreis, der zu 100% hetero ist, war klar, dass die beiden Gruppen eine ganz unterschiedliche Erwartung an eine Hochzeit bzw. Verpartnerung haben. Um die beiden unter einen Hut zu bekommen, bedurfte es eines gewissen Fingerspitzengefühls. Schließlich sollten ja alle etwas Besonderes und Einzigartiges erleben und unseren Tag genießen.

Milena SchlösserMehr erfahren über “Milena Schlösser”
Foto: Milena Schlösser

Unsere Idee war ein gemeinsames Motto, das allerdings so offen war, dass es jeder frei interpretieren konnte. Da es auf einer schwulen Hochzeit keine Braut in Weiß gibt, feierten wir eine „White Party“, zu der alle in Weiß kommen mussten. Von einer Krankenschwester über Tennisspieler in kurzen Shorts bis hin zu einer Dragqueen im silber-weißen Fummel war alles dabei. Um die Stimmung mussten wir uns bei diesen Hochzeitsgästen also schon mal keine Sorgen machen, denn die Gäste waren schon die erste Attraktion.

Das Wetter spielte auch noch mit. Die Rechnung ging also voll auf. Zur Trauung am Freitag waren alle eingeladen, Freunde und Familien – jeder, der Zeit und Lust hatte, sollte kommen. Anschließend gab es für die Familie und den engsten Freundeskreis ein gesetztes Essen ganz idyllisch in einem Restaurant am Müggelsee. Alles eher klassisch. Am darauffolgenden Tag trafen sich dann alle wieder zur „White Wedding Party“ mit DJ, der einen guten Mix aus Pop und Elektro spielte. Diesmal gab es ein lockeres BBQ mit asiatischem Einschlag. Es war ein tolles Fest, das über drei Tage ging. Die Gäste sprechen heute noch davon, wie schön es war. Und so soll es ja auch sein.

2. Was genau bedeutet der Begriff „Verpartnerung“? Was sind die Unterschiede im Vergleich zur „Hochzeit“?

Milena SchlösserMehr erfahren über “Milena Schlösser”
Foto: Milena Schlösser

So viele Unterschiede sind das ja mittlerweile gar nicht mehr. Und ich finde diese viel zu lang andauernde Diskussion mittlerweile fast schon peinlich für alle Bremser. Es geht dabei einerseits um das Wort „Ehe“ und andererseits um das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare. Ich glaube, einem Kind ist es egal, in welcher Familie es geliebt wird. Warum macht man einen Unterschied? Kinder würden mit einer neuen Selbstverständlichkeit aufwachsen und in Kontakt kommen mit anderen Formen des Zusammenlebens.

Ich fände das wirklich erstrebenswert. Mittlerweile finde ich das sperrige „Eintragung einer Lebenspartnerschaft auf Lebenszeit“ fast intensiver als das Wort „Hochzeit“. Es macht einfach besser klar, um was es geht und worauf man sich einlässt: Ein lebenslanger Vertrag zweier Menschen, die sich lieben und füreinander da sein und verpflichten wollen. Und deswegen sollten sie auch nicht nur alle Pflichten, sondern auch alle damit verbundenen Rechte von Ehepartnern haben. Alles andere ist schwulen und lesbischen Paaren gegenüber diskriminierend.

Ihr Hochzeitsplaner BerlinMehr erfahren über “Ihr Hochzeitsplaner Berlin”
Foto: Ihr Hochzeitsplaner Berlin

3. Wie erlebst du die Entwicklung von Gay Weddings in der Gesellschaft?

Ich habe das Gefühl, es trauen sich immer mehr. Es kommen etwa 20-30% mehr Anfragen, als im jeweils vorangegangenen Jahr bei mir an. Das Feedback meiner Locations oder Dienstleister ist durchweg positiv. Gay Weddings haben einen tollen Ruf. Oft höre ich, dass viel mehr getanzt und gefeiert wurde, oder dass alle so schick waren oder dass die Blumendeko selten so geschmackvoll war.

4. Gibt es Probleme bei der „Rollenverteilung“ – z.B. bei typischen Dingen, wie dem Wurf des Brautstraußes?

Milena SchlösserMehr erfahren über “Milena Schlösser”
Foto: Milena Schlösser

Das ist ein interessantes Thema. Denn ich finde, dass auch Männerpaare einen Brautstrauß haben sollten. Ein Brautstrauß gehört für mich einfach dazu. Ohne einen schönen Strauß fehlt etwas auf dem Hochzeitsfoto. Damit es keinen Streit gibt, wer den Strauß am Ende hält, gibt es einfach zwei. – Ich habe anlässlich unserer Hochzeit einen „Gleich & Gleich-Strauss“ erfunden.

Unser Florist hat die Idee dann für mich umgesetzt. Der rund gebundene Strauß besteht aus zwei Hälften, ein bisschen wie eine Torte, die in der Mitte durchgeschnitten ist. Wie Yin und Yang. Während der Trauung hat jeder etwas zum Festhalten und als Symbol, dass sich zwei zu einem neuen Ganzen gefunden haben, finde ich diese Idee geradezu perfekt. Am Ende stellt man sie zusammen in eine Vase. Praktischerweise kann dann eine Hälfte geworfen und die andere zur Erinnerung behalten werden – Ich überlege, ob ich mir den Strauß mal patentieren lasse.

5. Gibt es wirklich nennenswerte Unterschiede im Vergleich zu heterosexuellen Hochzeiten?

Ihr Hochzeitsplaner BerlinMehr erfahren über “Ihr Hochzeitsplaner Berlin”
Foto: Ihr Hochzeitsplaner Berlin

Leider gibt es keine kirchlichen Trauungen bei Schwulen und Lesben. Deswegen freue ich mich auch immer besonders über Heteropaare, die sich ihr Ja-Wort in einer kirchlichen Zeremonie geben möchten. Ein anderer Unterschied. Männer- und Frauenpaare kommen meist zusammen vor den Trautisch. Eine kirchliche Hochzeit, bei der der Brautvater die Braut zum Mann führt, ergibt sich damit ja schon gar nicht. Aber ich habe schon eine freie Zeremonie gehabt, bei der beide Mütter ihre Jungs nach vorne brachten. Ein tolles Zeichen für Akzeptanz und Toleranz. Das kam toll bei allen Gästen an. Nach dem obligatorischen Hochzeitstanz führten die Jungs dann auch ihre Mütter aufs Parkett. Eigentlich ganz logisch. Darüber hat sich dann auch keiner mehr wirklich gewundert. Im Grunde gibt es keine Regeln, Vorschriften oder Traditionen bei Verpartnerungen. Es ist richtig, was sich richtig anfühlt und Traditionen erfinde ich gerne um oder neu. Was nicht passt, wird eben passend gemacht. Auf einer Gay Wedding darf eben alles gerne ein bisschen anders sein. Das überrascht die Gäste – und das ist auch gut so.

6. Gibt es auch im Hinblick auf Mode, Trends, Angebote von Dienstleistern inzwischen ein größeres Angebot für gleichgeschlechtliche Partner?

Tilman VoglerMehr erfahren über “Tilman Vogler”
Foto: Tilman Vogler

Hochzeitsmode ist bei Frauenpaaren immer ein ganz besonderes Thema. Trotzdem wird es dann auch eher klassisch umgesetzt. Die eine in Schwarz, die andere in Weiß. Ob das dann aber zwei Brautkleider sind oder doch zwei toll geschnittene Damenanzüge ist der persönliche Geschmack. Prinzessinnenkleider oder Ballkleider sind eher selten. Männer wählen oft einen ähnlichen oder gleichen Anzug, dann aber mit unterschiedlichen Accessoires. Entweder haben diese eine jeweils andere Farbe oder einer trägt Fliege und Hosenträger und der andere Krawatte und Weste. Schön finde ich einen Smoking, bei dem einer ein weißes und der andere ein schwarzes Sakko trägt.

FrauGlueckundHerrLichMehr erfahren über “FrauGlueckundHerrLich”
Foto: FrauGlueckundHerrLich

Von Trends halte ich eigentlich nicht so viel. Obwohl man sich ihnen aber auch nicht wirklich entziehen kann. Trends bewirken bei mir fast schon einen gegenteiligen Effekt. Ich mag’s gerne anders. Und suche meine Ideen und Kooperationspartner nicht unbedingt auf den üblichen Hochzeitsmessen und Portalen. Ich lasse mich lieber von der Unterschiedlichkeit meiner Paare inspirieren. Von ihren Vorlieben und Hobbys, ihren regionalen Wurzeln, ihrer Sprache oder Kultur. Ideen kommen mir, wenn ich Filme mit toller Ausstattung oder Kostümen sehe oder Blogs und Magazine über Einrichtungen, Gartengestaltung und Dekorationen durchstöbere – auf Reisen oder im Theater und Museum.

Tilman VoglerMehr erfahren über “Tilman Vogler”
Foto: Tilman Vogler

7. Ist dir während deiner Zeit als Weddingplanner für Gay Weddings eine Hochzeit besonders im Gedächtnis geblieben – Und wenn ja, warum?

Das werde ich immer wieder gefragt und ich sage dann immer: meine eigene. Die eigene Hochzeit sollte für jedes Paar immer die schönste sein. Ich fand unsere Feier einfach toll. Klar, heute würde ich das eine oder andere etwas anders machen. Aber damals hatte ich (noch) nicht die Erfahrung und die tollen Kontakte, die ich heute habe. Dafür kann ich es ja bei meinen Hochzeitspaaren besser machen. Davon abgesehen gestalte und plane ich Hochzeiten tatsächlich mit dem Ehrgeiz als ob es meine eigenen wären. Ich empfehle im Grunde nur Locations, wo ich selbst gerne heiraten würde. – Zwei Fliegen mit einer Klappe.

Ihr Hochzeitsplaner BerlinMehr erfahren über “Ihr Hochzeitsplaner Berlin”
Foto: Ihr Hochzeitsplaner Berlin

Wir bedanken uns sehr bei dem professionellen Hochzeitsplaner Marco Fuß für dieses ausführliche und ehrliche Interview. Genauso bedanken wir uns bei den Hochzeitsfotografen Milena Schlösser, Tilman Vogler und FrauGlück und HerrLich, die uns tolle Aufnahmen zur Verfügung gestellt haben!

Kontaktieren Sie die Dienstleister, die in diesem Artikel erwähnt wurden!

Kommentieren

Erstellen Sie gratis und in nur 2 Klicks eine spektakuläre Hochzeitshomepage

100% personalisierbar und mit hunderten von Designs zur Auswahl. Weitere Designs ansehen >

Sie arbeiten in der Hochzeitsbranche?
Wenn Sie in der Hochzeitsbranche tätig sind, bietet Ihnen Zankyou facettenreiche Möglichkeiten, um Ihren Service bei unseren Brautpaaren bekannt zu machen! Denn Brautpaare wählen Zankyou aus, um ihre Hochzeit zu organisieren und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in 23 weiteren Ländern! Mehr Infos